Ein Bericht von Martin Mayer

 

Milano – San Remo 2009


Das war wirklich ne harte Nummer! Das Rennen geht erst so richtig nach 200 km los.
Der erste Anstieg kommt nach 130 km und bis dahin ist absolute Hektik und Chaos im Feld.
Einige Stürze habe ich gesehen und bin froh, dass ich nicht involviert gewesen bin.

Nach etwa 40 km hatte sich das Hauptfeld geteilt und ich war Okay damit, nicht in der ersten Gruppe zu sein.
Ständig über 45 Sachen zu fahren, ist um 7 Uhr morgens eben nicht Jedermanns Ding...
Durch die Teilung wurde es auch etwas ruhiger im Feld, so dass die nächsten 60 km dann mit einem flotten 40 iger Schnitt gelaufen sind.

Das war immer noch schnell genug und mein Puls hat sich dann auch wieder erholt.

Doof war, dass ich so ziemlich genau bei 100 km einen Platten hatte.
Leider war ich durch ein fettes Schlagloch gerauscht und dabei ist es passiert: Durchschlag am Hinterrad.
Meinen (einen) Ersatzschlauch zu montieren, hat mich ziemlich viel Zeit (20 Minuten) gekostet, weil ich echt feuchte Finger hatte.

Dadurch habe ich auch den Anschluss an meine schöne Gruppe verloren und musste hart kämpfen, um wieder den Anschluss in eine neue Gruppe zu erreichen.

Die ist dann relativ ruhig mit etwa 34 Sachen im Schnitt gelaufen bis zum ersten langen Anstieg, also bis etwa 130 km.

Der nominell höchste Anstieg war ein eher entspannter Roller. Bin völlig ruhig mit dem kleinen Blatt die 10 Km Steigung hochgekurbelt, um dann sofort nach Genua herunter zu fahren.

In Genua hatte ich 170 km auf dem Tacho mit genau 5 Stunden (inkl. Defekt). Das waren also 34 Schnitt und fast perfekt.
Mit der Abzweigung in Genua in Richtung Nizza hatten wir Radfahrer dann mit konstant heftigen Gegenwind zu kämpfen.
Leider bin ich dann noch in einem Tunnel in ein weiteres Mega-Schlagloch gefahren. Der Schlag war so heftig, dass es meinen Lenker nach unten verstellt hatte.

Um das wieder gerade zu biegen, musste ich anhalten und habe in diesem Moment eine weitere, gute Gruppe verpasst. Der gewünschte 30 iger Schnitt war damit gelaufen.

Durch einen Erdrutsch mussten wir den Anstieg "le Manie" hochfahren.
Ich wollte ja mal wissen, was die Profis fahren müssen: jetzt weis ich es! Das Ding geht mit 16 % los, ist 4,7 km lang und tat fürchterlich weh.

Ach ja: an diesem Miststück hatte ich auch mal Rückenwind… bei 37 Grad in der Sonne... Quälerei!!!

Danach noch 3 mittlere bis leichte Anstiege (nur die "Berta" (Küstenanstieg) war noch mal böse zu mir) und dann war das Ding durch!

Man kann sagen, dass das Rennen erst bei 200 km richtig los geht. Ab 220 km bis ins Ziel hatte ich mit Krämpfen zu tun…
So verteilt über den Tag hat mir fast alles mal weh getan… Beine, Waden, Nacken, Kopf, Arsch, Hände, Arme, Fußsohlen und dann wieder in einer anderen Reihenfolge…

Ich werde wohl noch eine Zeit lang brauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten, erst mal bin ich sehr sehr müde.

Viele Grüße


Martin Mayer  / 18. Juni 2009